Verzugszinsen und Mahngebühren in Berlin: Regeln für Mietrückstände
Mietzahlungsfrist Berlin, Deutschland. Ein Leitfaden für Vermieter zum Umgang mit verspäteten Mietzahlungen in Berlin. Erfahren Sie die Regeln gegen willkürliche Mahngebühren, wie Verzugszinsen berechnet werden...
Rechtlicher Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken. Sie stellen keine Rechtsberatung dar und sollten auch nicht als solche herangezogen werden. Gesetze ändern sich häufig – überprüfen Sie immer die aktuellen Vorschriften und konsultieren Sie einen zugelassenen Anwalt in Ihrem Zuständigkeitsbereich für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung. Landager ist eine Immobilienverwaltungsplattform, keine Anwaltskanzlei.Informationen zuletzt verifiziert: May 2026.
Das Wohnraummietrecht in Deutschland wird hauptsächlich durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) geregelt, das am 1. Januar 1900 in Kraft trat. Im Gegensatz zu Immobilienmärkten in den USA oder Großbritannien erlaubt das deutsche Recht Vermietern nicht, willkürliche, strafende "Säumniszuschläge" für verspätete Mietzahlungen zu erheben. Vermieter sind jedoch uneingeschränkt berechtigt, gesetzliche Verzugszinsen zu fordern und bei anhaltender Nichtzahlung die Räumung zu beantragen.
Wann gilt die Miete als "verspätet"?
Gesetzlicher Fälligkeitstermin
- Gemäß BGB § 556b (1) muss die Miete spätestens am dritten Werktag eines jeden Monats gezahlt werden.
- Entscheidend ist der Eingang der Gelder auf dem Konto des Vermieters, nicht der Tag, an dem der Mieter die Überweisung veranlasst.
- Für die Berechnung der Werktage bei Mietzahlungen werden Samstage nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht als Werktage gezählt.
Automatischer Verzug
Da der Mietvertrag einen genauen Kalendertag für die Zahlung festlegt, gerät ein Mieter automatisch in Verzug, wenn die Miete nicht rechtzeitig eingeht. Eine förmliche Mahnung ist rechtlich nicht erforderlich, um den Verzugsstatus auszulösen.
Verzugszinsen
Anstelle einer pauschalen Mahngebühr erlaubt das deutsche Recht Vermietern, Verzugszinsen auf den überfälligen Betrag für jeden Tag zu erheben, an dem er unbezahlt bleibt.
Gesetzlicher Zinssatz (BGB § 288)
Für Wohnraummietverträge (Verbraucherverträge) beträgt der gesetzliche Verzugszinssatz: 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz der Bundesbank.
- Der Basiszinssatz wird zweimal jährlich (1. Januar und 1. Juli) von der Deutschen Bundesbank angepasst.
- Beispiel: Liegt der aktuelle Basiszinssatz bei 3,62 %, beträgt der Verzugszinssatz, den Sie berechnen können, 8,62 % jährlich.
Berechnungsbeispiel
- Mieter schuldet: 1.000 € Nettokaltmiete
- Anwendbarer Zinssatz: 8,62 % p.a.
- Verzugszinsen pro Monat: 1.000 € × 8,62 % ÷ 12 = ca. 7,18 €
Obwohl die monatliche finanzielle Strafe im Vergleich zu internationalen Standards gering ist, sind sich über mehrere Monate anhäufende Verzugszinsen rechtlich durchsetzbar.
Mahngebühren
Während pauschale "Säumniszuschläge" illegal sind, können Vermieter Mahnkosten erheben – aber nur zur Deckung tatsächlicher, nachweisbarer Verwaltungsschäden.
Strenge Grenzen durch deutsche Gerichte
Verwendet ein Vermieter einen vorformulierten Standardmietvertrag (AGB), ist jede Klausel, die überhöhte Mahngebühren (z. B. 25 € oder 50 € pro Schreiben) vorschreibt, unwirksam.
- Gerichte akzeptieren in der Regel feste Mahngebühren von 2,50 € bis 5,00 € pro Mahnschreiben.
- Dies deckt grundlegende Verwaltungskosten, Papier und Porto ab.
- In vielen Fällen können Sie diese Gebühr nicht einmal für das erste Mahnschreiben erheben, sondern nur für nachfolgende.
Rechtskosten
Bleibt der Mieter in Verzug und Sie müssen einen Anwalt beauftragen, um eine förmliche Abmahnung auszusprechen oder eine Räumungsklage zu entwerfen, ist der Mieter in der Regel verpflichtet, diese Anwaltskosten als "Verzugsschaden" zu erstatten.
Räumung wegen Mietrückständen
Das stärkste Instrument, das ein Vermieter gegen verspätete Zahlungen hat, ist die Androhung der Räumung.
Fristlose Kündigung
Gemäß BGB § 543 (2) Nr. 3 kann ein Vermieter eine außerordentliche fristlose Kündigung des Mietverhältnisses aussprechen, wenn:
- Der Mieter mit zwei aufeinanderfolgenden Monatsmieten vollständig in Verzug ist.
- Der Mieter einen erheblichen Teil der Miete für zwei aufeinanderfolgende Monate schuldet.
- Über einen längeren Zeitraum (z. B. ständig zu wenig gezahlt) die gesamten aufgelaufenen Rückstände den Betrag von zwei vollen Monatsmieten erreichen.
Die "Schonfristzahlung"
Das deutsche Recht bietet Wohnungsmietern eine wirksame Rettungsleine: Wird wegen Mietrückständen eine Räumungsklage beim zuständigen Amtsgericht eingereicht, kann der Mieter die fristlose Kündigung rückwirkend unwirksam machen, indem er die gesamte ausstehende Schuld (einschließlich aller Verzugszinsen und Gerichtskosten) innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Klage (§ 569 BGB) begleicht.
- Diese "Freikarte" kann nur einmal alle zwei Jahre genutzt werden.
Ordentliche Kündigung wegen Rückständen
Aufgrund der Schonfristzahlungs-Lücke sprechen erfahrene Berliner Vermieter immer eine Ordentliche Kündigung gleichzeitig mit der fristlosen Kündigung aus. Zahlt der Mieter die Schulden verspätet, heilt dies die fristlose Kündigung, aber Gerichte entscheiden oft, dass wiederholte unpünktliche Zahlungen eine "erhebliche Pflichtverletzung" darstellen – wodurch die ordentliche Kündigung (die eine Kündigungsfrist von 3 bis 9 Monaten hat) aufrechterhalten wird.
Das gerichtliche Mahnverfahren
Wenn Sie lediglich das Geld zurückfordern und den Mieter nicht räumen möchten, können Sie das optimierte gerichtliche Mahnverfahren nutzen:
- Online beantragen: Beantragen Sie einen Mahnbescheid über das offizielle Portal www.online-mahnantrag.de. Für Berliner Immobilien ist das Amtsgericht Wedding das zentrale Mahngericht.
- Zustellung durch das Gericht: Das Gericht stellt dem Mieter den Bescheid physisch zu.
- 2-wöchige Widerspruchsfrist: Der Mieter hat 14 Tage Zeit, förmlich Widerspruch einzulegen.
- Vollstreckungsbescheid: Wird kein Widerspruch eingelegt, erhalten Sie einen Titel.
- Vollstreckung: Sie können einen Gerichtsvollzieher beauftragen, um Lohnpfändungen oder Kontopfändungen durchzuführen.
Best Practices für Vermieter
- Zahlungen genau überwachen: Überprüfen Sie Ihre Konten am 4. Werktag des Monats.
- Zuerst eine höfliche Erinnerung senden: Oft ist eine verpasste Zahlung nur ein Bankfehler oder ein Versehen.
- Mahngebühren angemessen halten: Fordern Sie keine 50 € Mahngebühren; beschränken Sie Forderungen auf 5 € oder gesetzliche Verzugszinsen.
- Eine Abmahnung aussprechen: Wenn ein Mieter ständig zu spät zahlt (z. B. am 10. des Monats), senden Sie ein förmliches Abmahnungsschreiben. Dies schafft die Grundlage für eine eventuelle Räumung.
- Kündigungen kombinieren: Wenn Sie wegen Rückständen kündigen, sprechen Sie immer eine außerordentliche UND eine ordentliche Kündigung im selben Schreiben aus.
Wie Landager hilft
Landager überwacht automatisch Mieteingänge, warnt Sie bei verpassten Zahlungen und berechnet die genauen gesetzlichen Verzugszinsen nach deutschem Recht – um sicherzustellen, dass Ihre Mahnschreiben korrekt und rechtlich konform sind.
Quellen & offizielle Referenzen
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 286 - Default of the debtor
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 288 - Default interest
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 543 - Extraordinary termination for cause
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 556b - Due date for rent
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 569 - Additional provisions on termination for cause
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