Thüringen: Mahngebühren und Mietrückstände – Regeln für Vermieter
Dürfen Vermieter in Thüringen Mahngebühren erheben? Erfahren Sie mehr über deutsche Verzugszinssätze, zulässige Mahnkosten und die rechtlichen Schritte bei Mietrückständen.
Rechtlicher Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken. Sie stellen keine Rechtsberatung dar und sollten auch nicht als solche herangezogen werden. Gesetze ändern sich häufig – überprüfen Sie immer die aktuellen Vorschriften und konsultieren Sie einen zugelassenen Anwalt in Ihrem Zuständigkeitsbereich für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung. Landager ist eine Immobilienverwaltungsplattform, keine Anwaltskanzlei.Informationen zuletzt verifiziert: May 2026.
Geregelt durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), das seit dem 1. Januar 1900 in Kraft ist, müssen Vermieter in Thüringen den einheitlichen bundesweiten Rahmen für Mietrückstände einhalten. Im Gegensatz zu vielen englischsprachigen Ländern erlaubt Deutschland Vermietern nicht, pauschale Strafgebühren für verspätete Zahlungen bei Wohnraummietverhältnissen zu erheben; nur der tatsächlich nachgewiesene Schaden – ausgedrückt durch gesetzliche Verzugszinsen und nachgewiesene Mahnkosten – kann geltend gemacht werden, wenn ein Mieter zu spät zahlt.
Rechtlicher HaftungsausschlussDieser Leitfaden bietet allgemeine rechtliche Informationen. Mietgesetze können sich ändern. Konsultieren Sie immer einen zugelassenen Notar oder Anwalt in dieser Region.
Wann gerät der Mieter in Verzug?
Die Miete ist zu Beginn des Zeitraums, spätestens am dritten Werktag gemäß § 556b Abs. 1 BGB fällig.
- Samstagsregel: Für die Berechnung des dritten Werktages werden Samstage nicht als Werktage gezählt (BGH, VIII ZR 291/09).
- Unwirksame Klauseln: Vertragliche Klauseln in Wohnraummietverträgen, die eine frühere Mietzahlung als den dritten Werktag fordern oder die Pünktlichkeit der Zahlung vom Eingang der Gelder (anstatt der Initiierung der Überweisung) abhängig machen, sind gemäß § 307 BGB unwirksam (BGH, VIII ZR 222/15).
Nach Ablauf dieser Frist ohne Zahlung gerät der Mieter automatisch in Verzug – eine vorherige Mahnung ist gesetzlich nicht erforderlich (§ 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB, da der Fälligkeitstermin kalendermäßig bestimmt ist).
Gesetzliche Verzugszinsen
Sobald der Mieter in Verzug ist, hat der Vermieter Anspruch auf gesetzliche Verzugszinsen gemäß § 288 BGB. Für Verbraucher (Wohnraummieter) beträgt der Satz:
5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz der Bundesbank pro Jahr
Zum 1. Januar 2026 beträgt der Basiszinssatz der Bundesbank 1,27%. Folglich beträgt der anwendbare Verzugszinssatz für Wohnraummieter 6,27% p.a. (gültig ab Mai 2026). Zinsen fallen täglich auf jeden ausstehenden, unbezahlten Betrag an.
Mahnkosten
Strafende „Mahngebühren“ in Wohnraummietverträgen sind nach deutschem Recht nicht durchsetzbar. Standardklauseln, die versuchen, diese aufzuerlegen, verstoßen gegen die Grundsätze des § 307 BGB und sind unwirksam.
Was Vermieter für das Versenden von Mahnschreiben rechtmäßig geltend machen können:
- Erste Mahnung: Im Allgemeinen kostenlos – Gerichte sprechen oft keine Kosten für die erste Mahnung zu, da der Mieter bereits ohne Mahnung in gesetzlichem Verzug ist.
- Zweite und nachfolgende Mahnungen: Vermieter können tatsächliche Auslagen geltend machen, typischerweise Porto plus Papier/Umschlag – in der Praxis ca. €2,50–€5,00 pro Schreiben.
- Interner Verwaltungsaufwand ist in Wohnraumfällen in der Regel nicht als separater Posten erstattungsfähig.
Eskalationsschritte bei nicht zahlenden Mietern
Das deutsche Rechtssystem bietet Vermietern einen strukturierten Eskalationspfad, wenn ein Mieter gemäß § 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB und § 569 BGB in Rückstand gerät:
Den vollständigen Räumungsprozess finden Sie im Leitfaden Räumungsprozess.
Die Regelung zur "Schonfristzahlung"
Deutschland gewährt Wohnraummietern ein gesetzliches Recht gemäß § 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB, eine fristlose Kündigung (wegen Mietrückständen) unwirksam zu machen, wenn der Mieter alle ausstehenden Mieten und Verzugszinsen innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Räumungsklage vollständig begleicht.
Wichtige rechtliche Unterscheidung: Dieser 'Heilungseffekt' gilt nur für die außerordentliche Kündigung und berührt eine gleichzeitig ausgesprochene ordentliche Kündigung nicht (BGH, VIII ZR 106/23). Dieses Recht kann nur einmal alle zwei Jahre ausgeübt werden.
Praktische Implikation für Vermieter: Selbst nach Ausspruch einer fristlosen Kündigung und Einreichung der Räumungsklage wird die außerordentliche Kündigung durch die vollständige Zahlung des Mieters innerhalb des Zweimonatsfensters unwirksam. Vermieter sollten dennoch immer eine gleichzeitige ordentliche (Frist-)Kündigung als Absicherung aussprechen.
SEPA-Lastschrift – eine praktische Lösung
Eine der effektivsten Methoden zur Vermeidung von Zahlungsverzügen ist die Aufnahme eines SEPA-Lastschriftmandats in den Mietvertrag, das den Vermieter ermächtigt, die Miete monatlich automatisch einzuziehen. Dies eliminiert die Abhängigkeit von der Eigeninitiative des Mieters und reduziert die Rückstandsquoten erheblich.
Wie Landager hilft
Landager benachrichtigt Sie sofort, wenn eine Mietzahlung überfällig ist, und verfolgt die Anzahl der Verzugstage in Ihrem Thüringer Portfolio. Es berechnet automatisch aufgelaufene Verzugszinsen und erstellt vorformatierte Mahnschreiben, sodass Sie schnell und rechtskonform eskalieren können.
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