Erforderliche Offenlegungspflichten für Gewerbevermieter in Sachsen-Anhalt
Was Gewerbevermieter in Sachsen-Anhalt offenlegen müssen: Energieausweise, USt-Option, Altlasten und Baugenehmigungen.
Rechtlicher Haftungsausschluss
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Offenlegungspflichten sind im gewerblichen Mietrecht in Sachsen-Anhalt ein wesentlicher Bestandteil für eine rechtssichere Vertragsgestaltung. Da im gewerblichen Bereich weniger soziale Schutzvorschriften gelten als im Wohnraumrecht, haftet der Vermieter insbesondere für die vorvertragliche Aufklärung über wertbildende Faktoren und baurechtliche Zulässigkeiten.
Rechtlicher HaftungsausschlussDieser Leitfaden bietet allgemeine rechtliche Informationen. Mietgesetze können sich ändern. Konsultieren Sie immer einen zugelassenen Notar oder Anwalt in dieser Region.
Im gewerblichen Immobilienmarkt Sachsen-Anhalts (Magdeburg, Halle, Dessau) müssen Vermieter insbesondere folgende Offenlegungsbereiche beachten:
Übersicht der Offenlegungspflichten im Gewerbe
1. Energieausweis für Gewerbeobjekte
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verpflichtet Vermieter von Nichtwohngebäuden zur Vorlage:
- Besichtigung: Der Energieausweis muss spätestens beim ersten Termin unaufgefordert vorgelegt werden.
- Inserat: Folgende energetische Pflichtangaben müssen bereits in der gewerblichen Anzeige (online oder Print) enthalten sein:
- Art des Energieausweises (Energiebedarfsausweis oder Energieverbrauchsausweis).
- Der spezifische Energiekennwert (Bedarf oder Verbrauch).
- Die wesentlichen Energieträger für die Heizung des Gebäudes.
- Das Baujahr des Gebäudes.
- Die Energieeffizienzklasse (sofern im Ausweis vorhanden).
- Handover: Eine Kopie des Ausweises ist bei Vertragsabschluss auszuhändigen.
- Ausnahme: Unbeheizte Lagerhallen ohne Klimatisierung benötigen oft keinen Ausweis.
2. Vorvertragliche Aufklärungspflichten
Nach den Grundsätzen von Treu und Glauben (§ 242 BGB) muss der Vermieter in Sachsen-Anhalt über Umstände aufklären, die für den Mietentschluss des Mieters von wesentlicher Bedeutung sind:
- Verborgene Substanzmängel: Bekannte statische Probleme, Feuchtigkeitsschäden oder Asbestbelastungen.
- Infrastruktur: Geplante großflächige Bauarbeiten in der direkten Nachbarschaft, die den Zugang oder die Sichtbarkeit beeinträchtigen.
- Konkurrenzschutz: Bestehende Mietverhältnisse mit direkten Wettbewerbern im selben Objekt.
3. Altlasten und Bodenkontamination
Besonders relevant in Regionen mit industrieller Geschichte (z.B. Bitterfeld-Wolfen oder industrielle Kerne in Magdeburg und Halle):
- Bekannte Bodenverunreinigungen müssen vor Vertragsschluss offengelegt werden.
- Ein Verschweigen kann zur Anfechtung des Vertrags wegen arglistiger Täuschung führen.
4. Umsatzsteuer-Option (§ 9 UStG)
Vermieter in Sachsen-Anhalt optieren häufig zur Umsatzsteuerpflicht, um den Vorsteuerabzug geltend zu machen.
- Bedingung: Der Mieter muss die Fläche für Umsätze nutzen, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen (mind. 95 %).
- Dokumentation: Die Option muss im Mietvertrag explizit vereinbart werden.
5. Baurechtliche Nutzung (BauO LSA)
Vermieter haften grundsätzlich für die baurechtliche Eignung der Räume.
- Nutzungsänderung: Wenn die geplante Nutzung des Mieters von der bisherigen abweicht (z. B. Büro zu Gastronomie), ist oft eine Genehmigung erforderlich.
- Risikoallokation: Im Vertrag sollte klar geregelt werden, wer das Risiko für die Erteilung erforderlicher Nutzungsgenehmigungen trägt.
6. CO2-Kostenaufteilung im Gewerbe
Seit 2023 gilt für Nichtwohngebäude ein 50:50-Split der CO2-Kosten zwischen Vermieter und Mieter. Diese Aufteilung muss in der jährlichen Betriebskostenabrechnung transparent ausgewiesen werden.
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